{"id":168,"date":"2019-12-19T11:09:07","date_gmt":"2019-12-19T10:09:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pietist.de\/?p=168"},"modified":"2020-01-01T16:48:36","modified_gmt":"2020-01-01T15:48:36","slug":"alle-jahre-wieder-aber-warum-bloss-am-25-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pietist.de\/?p=168","title":{"rendered":"Der 25.12. stimmt doch &#8211; warum wir Ende Dezember Weihnachten feiern"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 25. Dezember feiern evangelische und katholische Christen die Geburt Jesu Christi. \u201eEigentlich\u201c muss man einschr\u00e4nkend nachschieben. Denn viele Kirchen verlegen mit ihren Gottesdiensten diesen Festtag schon einen Tag fr\u00fcher auf den 24. An diesem Tag wurde Christus der Tradition zufolge zwar nicht geboren, dennoch kommt der abendliche Termin offensichtlich dem Lebensgef\u00fchl vieler Menschen n\u00e4her. Kerzen k\u00f6nnen entz\u00fcndet werden und die Zeit zum festlichen Abendessen unter dem erleuchteten Tannenbaum ist dann auch nicht mehr fern. Doch wenn man von dieser Verschiebung einmal absieht, stellt sich ja grunds\u00e4tzlich die Frage, warum Weihnachten \u00fcberhaupt diesen festen Termin hat. Schlie\u00dflich haben Ostern und alle darauffolgenden Feiertage kein fixiertes Datum. Wie kam es deshalb zu der Wahl des 25. Dezembers? <\/p>\n\n\n\n<p>Immer h\u00f6rt und liest man wieder, dass die Festlegung des Weihnachtstermins ein strategischer Schachzug der Alten Kirche war. Die Darstellung lautet etwa so: Im 4. Jahrhundert fand im R\u00f6mischen Reich am 25. Dezember allerorten eine Feier zu Ehren des Sonnengottes statt. Das wollte die Alte Kirche nat\u00fcrlich nicht leiden. Also beschloss sie, an eben diesen Tag ein anderes, alternatives Fest einzuf\u00fchren, n\u00e4mlich das Fest der Geburt Christi, der ja die wahre Sonne ist. Der deutsche Religionswissenschaftler Hermann Usener (1834-1905) trug diese These seinerzeit in die \u00d6ffentlichkeit, wo sie seitdem immer wieder gerne aufgegriffen wird. Besonders beliebt ist sie bei Kritikern des Christentums. Denn schlie\u00dflich k\u00f6nnen sie so untermauern, dass die kirchlichen Feste ein gro\u00dfer Mischmasch mehrerer Religionen sind. Und das bedeutet wiederum in ihren Augen, dass das ganze Christentum nicht ernst zu nehmen ist. Aber auch manche Christen be\u00e4ugen die Feier der Geburt des Gottessohns argw\u00f6hnisch. Denn w\u00e4hrend sich das Osterfest ja immerhin noch in der N\u00e4he des Passahfestes bewegt, l\u00e4sst sich eine solche Verortung vom Weihnachtsfest scheinbar nicht behaupten. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch was heute immer noch gerne als letzter Schrei der Wissenschaft ausgegeben wird, ist von der historischen Forschung l\u00e4ngst abgelegt worden. Zuletzt war es der evangelische Theologe Hans F\u00f6rster (Wien), der nachwies, dass die wenigen Aussagen \u00fcber ein fr\u00fches Sonnenfest im R\u00f6mischen Reich nur sehr d\u00fcnn sind. F\u00f6rster zeigt vielmehr, dass die Alte Kirche im 4. Jahrhundert den Termin des Geburtsfestes mit guten Gr\u00fcnden auf den 25. legen konnte. Einmal, weil die zeitgleiche Sonnenwende die christliche Theologie klar zum Ausdruck brachte: Christus, das Licht der Welt, leuchtet in die Zeit hinein. Und sodann, weil damals gar kein reichsweites Fest zur Feier der unbesiegten Sonne (sol invictus) auf eben diesen Termin fiel. Der 25.12. passte einfach perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum Weiterlesen: Hans F\u00f6rster, Die Anf\u00e4nge von Weihnachten und Epiphanias. Eine Anfrage an die Entstehungshypothesen. T\u00fcbingen 2007 (Studien und Texte zu Antike und Christentum. 46.).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 25. Dezember feiern evangelische und katholische Christen die Geburt Jesu Christi. \u201eEigentlich\u201c muss man einschr\u00e4nkend nachschieben. Denn viele Kirchen verlegen mit ihren Gottesdiensten diesen Festtag schon einen Tag fr\u00fcher auf den 24. An diesem Tag wurde Christus der Tradition zufolge zwar nicht geboren, dennoch kommt der abendliche Termin offensichtlich dem Lebensgef\u00fchl vieler Menschen n\u00e4her. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":172,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/168"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=168"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":208,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/168\/revisions\/208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/172"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pietist.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}