{"id":256,"date":"2020-05-14T19:50:19","date_gmt":"2020-05-14T17:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pietist.de\/?p=256"},"modified":"2020-05-23T19:08:09","modified_gmt":"2020-05-23T17:08:09","slug":"warum-falten-wir-die-haende-beim-beten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pietist.de\/?p=256","title":{"rendered":"Warum falten wir die H\u00e4nde beim Beten?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer betet, faltet in aller Regel seine H\u00e4nde. Entweder wir legen die Handfl\u00e4chen aufeinander oder wir verschr\u00e4nken die Finger miteinander. Vor allem im Gottesdienst verhalten wir uns so. Was f\u00fcr die meisten Christen Westeuropas gegenw\u00e4rtig gang und g\u00e4be ist, war aber nicht immer so. Wer heute die alten Katakomben in Rom besucht, wird an ihren W\u00e4nden manche Abbildungen von betenden Menschen entdecken. Doch die Christen und Christinnen im Altertum beteten niemals wie wir. Sie falteten nicht ihre H\u00e4nde und sie setzten sich auch nicht hin. In den Stein geschlagen sieht man Menschen, die im Stehen ihre ge\u00f6ffneten H\u00e4nde heben. \u201eOrantenhaltung\u201c nennen das heute die Historiker. Es ist die typische Gebetshaltung der Alten Kirche. Damit brachten sie ihren Glauben zum Ausdruck: Von Gott erwarteten sie alles. Und von Ihm wollten sie sich erf\u00fcllen lassen. Wer einmal probeweise diese Stellung beim Beten einnimmt, merkt schnell, wie durch diese \u00e4u\u00dfere Haltung sich auch die innere Einstellung \u00e4ndern kann. Es ist ein Ausdruck der Zuversicht \u2013 man f\u00fchlt sich geradezu befl\u00fcgelt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie konnten sich die gefalteten H\u00e4nden beim Beten durchsetzen? Geschichtswissenschaftler vermuten, dass sie ein Ergebnis der Christianisierung der Germanen sind. Als das Christentum n\u00e4mlich durch irische und englische M\u00f6nche ins heutige Deutschland gebracht wurde, da ver\u00e4nderte es nicht nur die germanische Welt. Auch die Kultur unserer Vorfahren wirkte auf das Christentum zur\u00fcck, wie etwa auf die Gebetshaltung. So herrschte im fr\u00fchen Mittelalter das sogenannte \u201eLehnswesen\u201c vor. Wenn ein Vasall seinem Lehnsherrn die Gefolgschaft versprach, dann legte er als verbindliches Zeichen seine gefalteten H\u00e4nde in dessen offene H\u00e4nde. Damit dr\u00fcckte der Untergebene seine Bindung aus, w\u00e4hrend der Lehnsherr seinen Willen zur Versorgung bekundete. &#8222;Kommendation&#8220; nennt man heute diesen Akt. Und es war wohl diese germanische Geste, die auf die Gebetsgeb\u00e4rde abf\u00e4rbte. Fortan beteten die Menschen kniend und mit gefalteten H\u00e4nden. Sp\u00e4ter kam zurzeit der Reformation auch noch die Sitte des Betens mit verschr\u00e4nkten Fingern auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist klar, dass nicht die richtige Geste \u00fcber die Wirksamkeit eines Gebets entscheidet. Ausschlaggebend ist nicht die \u00e4u\u00dfere Handlung, sondern die innere Haltung. Wir k\u00f6nnen im Sitzen, Stehen und Liegen beten, sei es mit erhobenen oder verschr\u00e4nkten Armen. Dennoch kann der k\u00f6rperliche Ausdruck manchmal beim Beten hilfreich sein. Die Erfahrung ist n\u00e4mlich, dass das \u00c4u\u00dfere auf das Innere wirkt. Wer nach oben schaut, empfindet neue Hoffnung und wird so m\u00f6glicherweise auf neue Weise zu Gott sprechen. Und wer seine H\u00e4nde \u00f6ffnet, dem wird neu bewusst, dass er auf Gott angewiesen ist. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum Weiterlesen: Thomas Ohm, Die Gebetsgeb\u00e4rden der V\u00f6lker und das Christentum, Leiden 1948.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer betet, faltet in aller Regel seine H\u00e4nde. Entweder wir legen die Handfl\u00e4chen aufeinander oder wir verschr\u00e4nken die Finger miteinander. Vor allem im Gottesdienst verhalten wir uns so. Was f\u00fcr die meisten Christen Westeuropas gegenw\u00e4rtig gang und g\u00e4be ist, war aber nicht immer so. 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