{"id":336,"date":"2021-01-23T13:44:00","date_gmt":"2021-01-23T12:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pietist.de\/?p=336"},"modified":"2024-06-06T22:49:11","modified_gmt":"2024-06-06T20:49:11","slug":"predigen-amerikaner-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pietist.de\/?p=336","title":{"rendered":"Predigen Amerikaner besser? Zu Gast bei Andy Stanley"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier stehe ich vor dem B\u00fcro von Andy Stanley. Wer Stanley nicht kennt: Er ist Hauptpastor der North Point Community Church in Atlanta, Georgia, die in den USA zu den ganz gro\u00dfen \u201emegachurches\u201c z\u00e4hlt. Der Schnappschuss wurde w\u00e4hrend einer Studienreise 2018 aufgenommen. Wer Stanley schon mal live oder im Internet erlebt hat, wei\u00df auch: Er ist ein richtig guter Prediger. Man denkt unwillk\u00fcrlich: \u201eWow\u201c \u2013 welch ein Charisma!<\/p>\n\n\n\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Eindruck ist, dass der angels\u00e4chsische Raum viele ausgesprochen gute Prediger und Predigerinnen kennt. Ja, dass es hier durchaus sehr viel bessere Predigten als bei uns in Deutschland gibt. Es ist wie in der Pop-Musik: Die besten Titel kommen aus der Neuen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ist dieses Ph\u00e4nomen blo\u00df zu erkl\u00e4ren? Walter Jens, der erste Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Rhetorik an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, meinte einmal, die Rhetorik, also die Kunst der Rede, sei eine \u201eTochter der Republik\u201c. Mit anderen Worten: Die gute Rede und die Reflexion \u00fcber sie gedeiht vor allem in freien Gesellschaften. Denn hier muss man schlie\u00dflich die Menschen mit Worten \u00fcberzeugen und kann sie nicht mit Waffen zwingen. Anders in den Diktaturen: Hier gilt das Gesetz des St\u00e4rkeren. Parlamente und Debatten haben wenig Wert, da von oben nach unten hindurch regiert waren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist ganz offensichtlich, dass der angels\u00e4chsische Raum mit dem Vereinigten K\u00f6nigreich und den Vereinigten Staaten \u00fcber eine sehr viel l\u00e4ngere Zeit der neuzeitlichen Demokratie verf\u00fcgt als wir in Deutschland. Parlamentarismus und politische Debatte haben dort schon fr\u00fch den Grundstein f\u00fcr die hohe Kunst der Rede gelegt. Und das hat wahrscheinlich auch auf das Niveau der kirchlichen Rede abgef\u00e4rbt. Hinzu kommt: In den Vereinigten Staaten galt sehr viel fr\u00fcher das Prinzip der religi\u00f6sen Toleranz. Das bedeutete: Keine Konfession besa\u00df eine Vormachtstellung, jede Kirche musste um ihre Mitglieder aktiv werben. Und in einer solchen Situation wei\u00df man sehr genau um die Rolle der Predigt. Sie muss Resonanzen wecken, ansonsten ist sie wertlos. In Deutschland hingegen galt bis 1918 de jure das staatskirchliche Prinzip, das de facto noch \u00fcber 50 Jahre l\u00e4nger andauerte. Aber nun \u00e4ndern sich die Zeiten. Der freie religi\u00f6se Markt wird, so meine Einsch\u00e4tzung, die Voraussetzung f\u00fcr viele exzellente Predigten schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum Weiterlesen: <\/em>W<em>alter Jens, Von Deutscher Rede, M\u00fcnchen 1965.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier stehe ich vor dem B\u00fcro von Andy Stanley. Wer Stanley nicht kennt: Er ist Hauptpastor der North Point Community Church in Atlanta, Georgia, die in den USA zu den ganz gro\u00dfen \u201emegachurches\u201c z\u00e4hlt. Der Schnappschuss wurde w\u00e4hrend einer Studienreise 2018 aufgenommen. 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