{"id":96,"date":"2019-12-20T15:43:00","date_gmt":"2019-12-20T14:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pietist.de\/?p=96"},"modified":"2020-01-01T16:47:47","modified_gmt":"2020-01-01T15:47:47","slug":"zwischen-orthodoxie-und-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pietist.de\/?p=96","title":{"rendered":"Jesus ist kein Seehund &#8211; die Legende von der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Bibel\u00fcbersetzung"},"content":{"rendered":"\n<p>Fast jeder hat diese Geschichte schon mal geh\u00f6rt: Als Missionare den Eskimos auf Gr\u00f6nland die biblischen Geschichten erz\u00e4hlten, merkten sie rasch, dass es schwierig war, im Anschluss von Johannes 1,29 von Christus als dem Lamm Gottes zu sprechen. Denn ein Schaf war in den eisigen Gegenden zumeist unbekannt. Und als die frommen M\u00e4nner und Frauen dann anfingen, die Bibel ins Gr\u00f6nl\u00e4ndische zu \u00fcbersetzen, entschieden sie sich flugs, den Begriff des Schafs in den des Seehunds zu \u00fcbertragen. Jesus Christus &#8211; so lautet diese Erz\u00e4hlung &#8211; sei somit zum Seehund Gottes geworden. Und das h\u00e4tten dann die Inuit endlich auch verstanden. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese nette Geschichte h\u00f6rt man immer wieder: in Kindergottesdiensten, in Predigten oder auch bei Rundfunkandachten. Und gerne wird mit dem Erz\u00e4hlen der ernste Hinweis verbunden, dass vieles in der Bibel eben nur ein &#8222;Bild&#8220; sei, was man je nach Land und Lage \u00fcbertragen m\u00fcsse. Doch so sch\u00f6n diese Geschichte auch ist &#8211; so sehr trifft sie leider nicht zu. Die Missionsgeschichte im hohen Norden kennt keinen solchen Bericht von einer derartigen \u00dcbersetzungsakrobatik. Sie ist eine moderne Legende, irgendwo einmal erdacht, dann weiter gesponnen und weiter erz\u00e4hlt. <\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle ist die niederl\u00e4ndische Wissenschaftlerin Thea Olsthoorn zu nennen. Sie hat sich intensiv mit den Herrnhuter Missionaren besch\u00e4ftigt, die vor \u00fcber 200 Jahren den Inuit in Labrador und Gr\u00f6nland die christliche Botschaft brachten. Und Olsthoorn weist darauf hin, dass es keine gr\u00f6nl\u00e4ndische Bibel\u00fcbersetzung gibt, in der das &#8222;Lamm&#8220; durch einen &#8222;Seehund&#8220; \u00fcbersetzt worden w\u00e4re. Wohl gab es immer wieder Anmerkungen in Fu\u00dfnoten, in denen das noch unbekannte Tier beschrieben wurde, aber mehr auch nicht. Gemeinhin gebrauchte man das norwegische Wort f\u00fcr Schaf, da die norwegische Sprache in den Regionen durch wirtschaftliche Kontakte durchaus gel\u00e4ufig war. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende bleibt der Eindruck zur\u00fcck, dass manche biblischen Begriffe sich wohl \u00fcbersetzen, aber nur schlecht ersetzen lassen. Erkl\u00e4rung ist eben doch oft eine bessere Alternative als Streichung. Also &#8211; Mut zu den alten, uralten W\u00f6rtern. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum Weiterlesen: Thea Olsthoorn, \u201eWir haben keine Ohren.\u201c Kommunikationsprobleme und Missionsverst\u00e4ndnisse bei der Verbreitung und Rezeption des Christentums in Gr\u00f6nland und Labrador im 18. Jahrhundert, in: Udo Str\u00e4ter et. al. (Hg.), Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Protestantismus. Band 39. 2013. G\u00f6ttingen 2014, 47-85.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast jeder hat diese Geschichte schon mal geh\u00f6rt: Als Missionare den Eskimos auf Gr\u00f6nland die biblischen Geschichten erz\u00e4hlten, merkten sie rasch, dass es schwierig war, im Anschluss von Johannes 1,29 von Christus als dem Lamm Gottes zu sprechen. Denn ein Schaf war in den eisigen Gegenden zumeist unbekannt. 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